Die Auswirkungen auf die Automobilzulieferkette halten unvermindert an. Wir haben bereits ausführlich über den Mangel an Chips und anderen Bauteilen sowie über die vielfältigen Ursachen für diesen Mangel berichtet. Die Automobilhersteller spüren derzeit die Auswirkungen der Krise in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland auf ihre Lieferketten. Dieser Beitrag befasst sich mit einer weiteren Herausforderung – dem Mangel an Schiffscontainern und Frachtschiffen.
Der weltweite Rückstau im Seeverkehr ist hinlänglich bekannt. Ein Branchenartikel aus dem letzten Jahr mit dem Titel„Where are all of the containers?” (Wo sind all die Container?) kam zu dem Schluss, dass sich der Dominoeffekt eines Mangels an Containerherstellern vor der Pandemie durch die pandemiebedingten Verzögerungen noch verschärft hat. Container stauten sich in Binnenhäfen und Lagerhäusern oder wurden vom Meistbietenden aufgekauft.
Im November berichtete die Washington Post, dass große Einzelhändler wie Ikea die Prioritäten für die Produkte, die sie per Container versenden, neu setzten, um sich auf „leichte“ und „flexible“ Produkte zu konzentrieren, damit mehr in jeden Container passt. Diese Priorisierung ist kein gutes Zeichen für Fahrzeuge, die viel mehr Platz beanspruchen als andere Konsumgüter. Der Bericht der Post wies auch darauf hin, dass etwa 3 Millionen Container aufgrund von Arbeitskräftemangel für den Transport an verschiedenen Orten feststeckten. Vox schloss sich kurz darauf an und behauptete, Container würden die Lieferkette„zerstören”.
Die Situation hat sich nicht verbessert. Die New York Times hat die globale Schifffahrtsbranche analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass sich die Transportengpässe im Jahr 2022 wahrscheinlich nicht verbessern werden. Erst diese Woche geriet ein riesiges Frachtschiff mit bis zu 4.000 Fahrzeugen (darunter 1.500 seltene Autos) in Brand und sank, wobei Fahrzeuge im Wert von bis zu 400 Millionen Dollar zerstört wurden. Glücklicherweise konnte die Besatzung sicher gerettet werden, aber sowohl Hersteller als auch Autokäufer, die lange auf den knappen Platz auf einem Containerschiff gewartet hatten, mussten mit ansehen, wie ihre neuen Fahrzeuge – seltene Bentleys, Porsches und Lamborghinis – in Flammen aufgingen. VW war offenbar besonders stark betroffen, da ein großer Teil der Fahrzeuge an Bord für neue VW-Besitzer bestimmt war.
Wie geht es weiter? Mindestens ein Containerhersteller nannte den Trend zu einer verstärkten Produktion von Versandcontainern und die Regionalisierung von Fertigung und Beschaffung als mögliche Wege zur Entlastung. Da immer mehr Partner in der Lieferkette bestrebt sind, die Transportwege für Teile und Lieferungen zu verkürzen, und sich die Arbeitsmärkte allmählich normalisieren, hofft die Branche, dass sich der Wettbewerb um Versandcontainer entspannen wird.